Warum die Regalprüfung nach DIN EN 15635 Pflicht ist
Wer Lagerregale betreibt, trägt Verantwortung – nicht nur für die Ware, sondern vor allem für die Sicherheit der Mitarbeitenden. Die europäische Norm DIN EN 15635 ("Ortsfeste Regalsysteme aus Stahl – Anwendung und Wartung von Lagereinrichtungen") regelt verbindlich, wie Regalanlagen sicher betrieben, geprüft und instand gehalten werden müssen.
In Kombination mit der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und den Regeln der Berufsgenossenschaften ist die regelmäßige Regalprüfung keine Empfehlung, sondern eine gesetzliche Pflicht. Verstöße können nicht nur zu schweren Unfällen führen, sondern auch empfindliche Bußgelder und Haftungsrisiken nach sich ziehen.
Die drei Prüfebenen im Überblick
1. Wöchentliche Sichtprüfung (intern)
Die DIN EN 15635 fordert, dass Lagermitarbeiter in regelmäßigen Abständen – idealerweise wöchentlich – eine visuelle Kontrolle der Regalanlagen durchführen. Dabei wird auf offensichtliche Schäden geachtet:
- Verbogene oder eingedrückte Stützen und Traversen
- Fehlende oder beschädigte Sicherungsstifte
- Lose oder fehlende Fußplatten und Verankerungen
- Überlastung einzelner Regalfelder
- Beschädigte Anfahrschutzprofile
2. Monatliche Kontrolle durch den Sicherheitsbeauftragten
Der betriebliche Beauftragte für Lagersicherheit (PRSES – Person Responsible for Storage Equipment Safety) führt regelmäßig eine systematischere Kontrolle durch. Die Ernennung einer PRSES ist laut DIN EN 15635 verpflichtend für jeden Betrieb, der Regalanlagen nutzt.
3. Jährliche Expertenprüfung (extern)
Mindestens einmal pro Jahr muss eine fachkundige Person – ein zertifizierter Regalprüfer – eine umfassende Inspektion durchführen. Diese Prüfung umfasst:
- Vollständige Bestandsaufnahme aller Regalkomponenten
- Bewertung von Schäden nach dem Ampelsystem (grün/gelb/rot)
- Prüfung der Standsicherheit und Verankerung
- Kontrolle der Tragfähigkeitsschilder
- Erstellung eines rechtssicheren Prüfberichts
Das Ampelsystem: Schadensklassen richtig einordnen
Die DIN EN 15635 definiert ein bewährtes Drei-Stufen-System zur Bewertung von Regalschäden:
| Stufe | Farbe | Bedeutung | Maßnahme |
|---|---|---|---|
| 1 | 🟢 Grün | Gebrauchsspuren, kein Sicherheitsrisiko | Beobachten, bei nächster Prüfung erneut bewerten |
| 2 | 🟡 Gelb/Orange | Schaden vorhanden, Nutzung eingeschränkt möglich | Sofort kennzeichnen, Reparatur innerhalb von 4 Wochen |
| 3 | 🔴 Rot | Erheblicher Schaden, akute Gefahr | Regalfeld sofort sperren und entlasten, umgehende Reparatur/Austausch |
Häufige Fehler bei der Regalprüfung
- Keine PRSES benannt: Viele Betriebe versäumen es, einen Verantwortlichen zu benennen – das ist ein Verstoß gegen die Norm.
- Fehlende Dokumentation: Jede Prüfung und jeder Schaden muss schriftlich festgehalten werden. Ohne Dokumentation fehlt der Nachweis im Schadensfall.
- Prüfintervalle überschritten: Die 12-Monats-Frist für die Expertenprüfung ist verbindlich – auch wenn "nichts passiert" ist.
- Reparaturen selbst durchführen: Schweißarbeiten an Regalkomponenten erfordern eine Freigabe des Herstellers. Eigenreparaturen können die Statik gefährden.
- Tragfähigkeitsschilder fehlen: Jedes Regalfeld muss ein aktuelles Schild mit der maximalen Fachlast tragen.
Checkliste: So bereiten Sie sich auf die Regalprüfung vor
- ✅ PRSES benennen und schulen lassen
- ✅ Alle Regale mit Tragfähigkeitsschildern versehen
- ✅ Regalkataster erstellen (Inventar aller Regalanlagen)
- ✅ Wöchentliche Sichtprüfungen dokumentieren
- ✅ Beschädigte Regale sofort kennzeichnen und sperren
- ✅ Prüfberichte mindestens bis zur nächsten Inspektion aufbewahren
- ✅ Zertifizierten Regalprüfer rechtzeitig beauftragen
Was kostet eine professionelle Regalprüfung?
Die Kosten für eine Regalinspektion variieren je nach Umfang, Anzahl der Regalfelder und Standort. Als Richtwert können Sie kalkulieren:
- Kleine Lager (bis 50 Felder): ab ca. 300–600 €
- Mittlere Lager (50–200 Felder): ab ca. 600–1.500 €
- Große Lager (über 200 Felder): individuelle Kalkulation
Bedenken Sie: Die Kosten einer Regalprüfung stehen in keinem Verhältnis zu den Folgekosten eines Regalunfalls – von Personenschäden ganz zu schweigen.
Fazit: Regalprüfung ist Chefsache
Die regelmäßige Regalinspektion nach DIN EN 15635 schützt nicht nur Ihre Mitarbeitenden, sondern sichert auch Ihren Betrieb rechtlich ab. Wer die Prüfpflichten ernst nimmt und professionell umsetzt, minimiert Risiken und schafft ein sicheres Arbeitsumfeld. Nutzen Sie digitale Tools, um Ihre Prüfprozesse zu vereinfachen und lückenlos zu dokumentieren.