Was sind Schwerlastregale?
Als Schwerlastregale gelten Regalsysteme mit Fachlasten über 300 kg pro Ebene. Sie kommen überall dort zum Einsatz, wo schwere Einzelteile, Werkzeuge, Gießformen oder Maschinenkomponenten gelagert werden müssen - ohne Palette, direkt auf dem Fachboden.
Tragfähigkeit verstehen: Drei wichtige Begriffe
Fachlast
Die Fachlast gibt an, wie viel Gewicht ein einzelner Fachboden tragen darf. Bei SCHULTE Schwerlastregalen liegt sie je nach Modell zwischen 300 und 1.000 kg. Entscheidend ist die gleichmäßige Verteilung der Last über die gesamte Fläche.
Feldlast
Die Feldlast ist die maximale Gesamtlast eines Regalfelds - also die Summe aller Fachlasten plus Eigengewicht der Böden. Sie darf die angegebene Feldlast niemals überschreiten, auch wenn einzelne Fachböden noch Reserven haben.
Punktlast
Schwere Einzelstücke erzeugen Punktlasten, die den Fachboden lokal stärker belasten. Faustregel: Eine Punktlast sollte maximal 25 % der Fachlast betragen. Bei höheren Einzellasten sind Lastverteilungsplatten empfehlenswert.
Normen und Vorschriften
Für den sicheren Betrieb von Schwerlastregalen gelten mehrere Regelwerke:
- DIN EN 15512 - Bemessung und Berechnung von ortsfesten Regalsystemen aus Stahl
- DIN EN 15635 - Anwendung und Wartung von Lagereinrichtungen (Regalprüfung)
- DGUV Regel 108-007 - Lagereinrichtungen und -geräte (Unfallverhütung); seit November 2023 schrittweise abgelöst durch die inhaltlich aktualisierte DGUV Information 208-061 (Fassung Juli 2024)
- BetrSichV - Betriebssicherheitsverordnung (Prüfpflichten)
Wichtig: Regelmäßige Regalprüfungen durch eine befähigte Person sind gesetzlich vorgeschrieben - mindestens einmal jährlich gemäß DGUV Regel 108-007.
So berechnen Sie die Tragfähigkeit Schritt für Schritt
Die passende Tragfähigkeit ist keine Schätzfrage - sie lässt sich in vier Schritten sauber herleiten:
Schritt 1: Lasten ehrlich ermitteln
Wiegen Sie das schwerste Lagergut je Ebene oder entnehmen Sie die Gewichte den Datenblättern. Maßgeblich ist immer die am stärksten belastete Ebene - nicht der Durchschnitt. Planen Sie 20-30 % Reserve für künftige Nutzung ein: Ein Regal wird über die Jahre praktisch nie leichter beladen.
Schritt 2: Fachlast festlegen - die Lastverteilung entscheidet
Die Katalog-Fachlast gilt als Streckenlast, also für gleichmäßig über den Boden verteilte Ware (DGUV 108-007 §4.12). Bei schweren Einzelstücken rechnet man anders - der Grund ist reine Balkenstatik: Eine mittig aufgelegte Punktlast erzeugt mit P·L/4 das doppelte Biegemoment einer gleich großen, gleichmäßig verteilten Last (q·L²/8). Deshalb halbiert eine mittige Punktlast die zulässige Fachlast. Als Faustregel gilt: Einzellasten maximal 25 % der Fachlast - schwerere Einzelstücke gehören auf eine Lastverteilungsplatte, die die Kraft auf die Traversen bzw. die Bodenauflagen verteilt.
Schritt 3: Feldlast prüfen - mit Abminderungsfaktoren
Die Feldlast ist die Summe aller Fachlasten eines Feldes und wird vom Ständerrahmen getragen. Zwei Abminderungen werden dabei regelmäßig übersehen:
- Kurze Regalzeilen: Bei nur 2 Feldern in einer Reihe gelten die Katalog-Feldlasten laut SCHULTE-Montageanleitung nur zu 90 %.
- Fehlende Aussteifung: Bei weniger als 4 Feldern ohne Kreuzstreben muss die Tragfähigkeit um bis zu 30 % reduziert werden (DGUV 108-007 §4.1).
Beispielrechnung: Sie lagern auf 4 Ebenen, das schwerste Einzelstück wiegt 90 kg. Erforderliche Fachlast: 4 × 90 kg = 360 kg → nächste Lastklasse 500 kg. Erforderliche Feldlast bei voller Belegung: 4 × 360 kg = 1.440 kg. Steht das Regal nur als Zweier-Zeile, gilt der 90-%-Faktor: 1.440 ÷ 0,9 = 1.600 kg Katalog-Feldlast, die die gewählte Serie mindestens ausweisen muss. Zum Vergleich: Die SCHULTE-Feldlasttabellen reichen je nach Höhe, Feldbreite und Aussteifung von rund 1.090 bis 3.990 kg.
Schritt 4: Standsicherheit sichern
Übersteigt die Regalhöhe das Fünffache der Tiefe (5:1-Regel), ist eine Kippsicherung Pflicht - Wand- oder Bodenverankerung bzw. Kopfverbände (DGUV 108-007 §4.1, Standsicherheitsfaktor mindestens 2,0). Zusätzlich gilt: lotrechte Aufstellung mit maximal 0,5 % Schiefstellung, bei 4 m Höhe also höchstens 20 mm.
Fachlast-Rechner: Ermitteln Sie Ihre Werte
Mit dem folgenden Rechner bestimmen Sie erforderliche Fach- und Feldlast direkt aus Ihren Eckdaten - inklusive der Abminderungsfaktoren und DGUV-Sicherheitschecks aus diesem Artikel:
Fachlast-Rechner
Erforderliche Fach- und Feldlast nach SCHULTE-Katalog und DGUV ermitteln
- Erforderliche Fachlast
- 150 kg
- Erforderliche Feldlast
- 600 kg
Typ 150 (150 kg je Ebene) wählen
Zulässig sind 1.740 kg - passt (Schulte 13011 Anhang A2).
- Höhe:Tiefe = 4.2:1 - Standsicherheit ohne zusätzliche Kippsicherung möglich (Herstellerangaben beachten). (DGUV 108-007 §4.1)
- Bodenabstand 807 mm - über 600 mm wird die Knicklänge der Stütze maßgebend. Mehr Ebenen einplanen oder niedriger bauen. (DGUV 108-007 §11)
- Ab 2.500 mm Bedienhöhe sind Hilfsmittel zum Be- und Entladen erforderlich (Tritt, Leiter oder Stapler). (DGUV 108-007 §4.1)
- Belastungsschild mit Fach- und Feldlast gut sichtbar anbringen und jährliche Prüfung durch eine befähigte Person durchführen lassen. (DIN EN 15635 / DGUV 208-061)
Richtwerte auf Basis der Schulte-Montageanleitungen (13011 Anhänge A2-A5, 13033, 13048) und DGUV Regel 108-007 (Nachfolger: DGUV Information 208-061). Der Rechner ersetzt keine statische Bemessung nach DIN EN 15512 - maßgeblich sind die Traglastangaben des Herstellers für Ihre konkrete Konfiguration.
Häufige Fehler bei Schwerlastregalen
- Überladung - Die Fachlast wird überschritten, oft weil Tragfähigkeitsschilder fehlen oder unleserlich sind
- Fehlender Anfahrschutz - Eckständer ohne Rammschutz werden regelmäßig von Gabelstaplern beschädigt
- Einseitige Belastung - Nur ein Fach voll beladen, die anderen leer - das führt zu Instabilität
- Fehlende Aussteifung - Ohne Rückwandverbände oder Kreuzstreben fehlt dem Regal die nötige Stabilität
- Unterlassene Prüfung - Beschädigte Regalständer oder verbogene Traversen werden nicht gemeldet
SCHULTE Schwerlastregale: Sicherheit ab Werk
SCHULTE Schwerlastregale sind TÜV/GS-geprüft und werden in Deutschland gefertigt. Die Systeme bieten:
- Fachlasten bis 1.000 kg
- Integrierte Sicherheitssplinte gegen versehentliches Ausheben
- Umfangreiches Zubehör: Anfahrschutz, Rückwände, Stützenschutz
- Kompatibilität mit dem gesamten SCHULTE-Regalprogramm
Fazit
Schwerlastregale sind kein Standardregal - sie erfordern sorgfältige Planung, korrekte Tragfähigkeitsberechnung und regelmäßige Inspektion. Investieren Sie in geprüfte Qualität und halten Sie die Normen ein - das schützt Ihre Mitarbeiter und Ihr Lagergut.